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  • Apr 13, 2010
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Appetiser für Ihr Geschäft

Wieder so ein Trend, an dem man kaum vorbei kommt: Das Apple iPhone bzw. die immer größer werdende Anzahl von sinnigen und unsinnigen Anwendungen („Apps“) dafür. Auch in der Touristik greifen die kleinen Applikationen um sich – mit dem Handy wird gebucht, geboardet, es werden Reisepläne gelesen, Reiseführer studiert, Anlaufpunkte in der Nähe (wie Hotels, Restaurants oder auch Toiletten) werden gesucht und die großen Player sind größtenteils mit eigenen Apps vertreten. Speziell Destinationen und Tourismusbüros experimentieren gerne in diesem Bereich, die Skeptiker sind eindeutig in der Unterzahl. Aber für wen lohnt sich eine solche Investition wirklich?

Bei den meisten der kleinen Anwendungen geht es darum, „Informationen schnell findbar und Angebote leicht zugänglich zu machen“, so Joachim Bader, Geschäftsführer der Mobile-Agentur Clanmo in der fvw. 150.000 solcher Apps sind bereits im Apple-Store erhältlich, Tendenz ständig steigend. In einer Zeit, in der es vor allem um Schnelligkeit und ständige Verfügbarkeit geht, wächst das Mobiltelefon zu einer Art Fernbedienung für die große weite Welt heran. Und das gilt nicht nur für das iPhone – in jüngster Zeit haben natürlich auch andere Hersteller smarte Geräte auf den Markt gebracht und sind Apple damit dicht auf den Fersen. Wer sich auf lange Sicht behaupten kann, wird erst die Zeit zeigen müssen. Für die App-Produzenten ist es also wichtig, dass sie ihre Anwendung von vornherein all diesen Geräten anpassen.

Dies ist aber nicht die einzige Hürde auf dem Weg zur eigenen App. Denn vor allem ist die Entwicklung nicht ganz billig – je nach Aufwand und Umfang der Anwendung liegen die Entwicklungskosten im fünfstelligen Bereich. Für wen lohnt sich das Ganze also wirklich? Die Touristik ist als Dienstleistungsbranche selbstverständlich prädestiniert für die kleinen Serviceangebote. Aber vor allem stellt sich natürlich die Frage, was mit der App konkret erreicht werden soll (soll es etwa eine Buchungsfunktion geben, oder geht es vor allem um Austausch oder Markenbildung, soll die App etwa durch spezielle Features bei der Positionierung helfen?) und wie das Ganze zur Marke, in die Marketingstrategie und vor allem auch in das Budget passt. Ob sich der finanzielle Aufwand einer solchen eigenen Applikation nämlich eher auszahlt als die Investition in andere Werbekanäle, die auf Produkt/Marke und Ziele abgestimmt sind, ist fraglich. Darüber hinaus muss man sich im Klaren sein, dass selbst die pfiffigste App unter 150.000 anderen  Angeboten leicht untergeht und somit Reichweite einbüßt.

Wem eine eigene App zu teuer ist, kann die eigenen Inhalte auch in bestehende Augmented-Reality-Angebote integrieren. Augmented-Reality-Browser für Smartphones (z.B. Layar) und entsprechende Content-Lieferanten für touristische Informationen (z.B. Zooners, Wikitude) bieten Usern (und damit auch Destinationen und touristischen Leistungsanbietern) nämlich die Möglichkeit, Vor-Ort-Informationen einzuspeisen und damit den gewünschten Content an deren große Nutzergruppe zu verbreiten. Die Reichweite, die man sich als kleiner Anbieter bzw. kleines Tourismusbüro mit der eigenen App erst mühselig aufbauen muss (z.B. über die gute alte klassische Werbung), bringt ein entsprechend etabliertes Programm natürlich schon mit.

Mithilfe der Features erfahren Touristen zum Beispiel, wo sich in ihrem Urlaubsgebiet geführte Wanderungen machen lassen, welche Museen in der Nähe sind, wann sie geöffnet haben etc. Der Haken: Diese Möglichkeit haben natürlich nicht nur die Tourismusbüros, sondern auch jeder Leistungsanbieter, Tourist oder Web 2.0-Nutzer, im Prinzip also jeder. Eine Chance für kleine Anbieter natürlich – für die Destinationen heißt das jedoch, dass sie einiges von ihrer Informations-/Steuerungshoheit einbüßen müssen – während sie vorher maßgeblichen Einfluss darauf hatten, welcher Anbieter in Printprospekten, Internetauftritten usw. der Region auftaucht und wirbt, wird durch die Augmented Reality jeder Tourist vorort zum Entdecker und zu seinem eigenen Reiseführer, in dem er aus allen verfügbaren Angeboten frei wählen kann. Und das auch aus Angeboten, von denen er sonst nie erfahren hätte.

Selbstverständlich schleichen sich in einer Datenbank, die jeder bearbeiten kann, auch Halbwahrheiten und Fehler ein. Für aktuelle Informationen kann also nicht garantiert werden, die Qualitätssicherung der Destinationen wird schwierig, ihr Image (aber auch das von Hotels und anderer touristischer Leistungsanbieter) kann weniger gesteuert werden und es wird kaum noch möglich sein herauszufinden, aus welcher Quelle die Touristen ihre Informationen beziehen.

Umso wichtiger ist es für die Touristiker sicherzustellen, dass die für wichtig befundenen Inhalte zur Destination/eigenen Leistung ebenfalls erscheinen, entsprechend attraktiv dargestellt werden und nicht – im schlimmsten Fall – gänzlich fehlen. Für schmales Geld können sich Destinationen so z.B. auch eigene, qualitätsgeprüfte Layer innerhalb der Programme einrichten – die Entwicklungskosten für die Augmented-Reality-Oberfläche fallen so natürlich weg. Das Bespielen von Datenbanken für Augmented-Reality-Browser und das Überprüfen ihrer Inhalte auf produktbezogenen Content ist dagegen weniger eine weitere Option für das Mobile Marketing, als mehr eine Notwendigkeit für das Tagesgeschäft.

Fazit:

Blinder Aktionismus in puncto App kann schnell sehr teuer werden. Wer unbedingt eine eigene Anwendung haben möchte, muss nicht nur mit hohen Kosten rechnen, sondern am Besten auch einen guten Plan haben, sie sinnvoll in den Marketing-Mix zu integrieren um ihre Reichweite zu sichern und ihre Halbwertszeit zu verlängern – unter 150.000 Angeboten geht selbst die beste Applikation leicht unter, zumal eine Destinations-App, die Informationen zu einer einzigen Region bietet, wenn sie mit anderen Apps konkurrieren muss, die regionsumfassende Inhalte liefern können. Eindeutige Ziele, ein klarer Vorteil gegenüber anderen Apps und eine ausgecheckte Kommunikation können die Einrichtung aber dennoch erfolgreich machen.

Darüber hinaus sollten sich vor allem Tourismusbüros bzw. Destinationen mit der Möglichkeit beschäftigen, ihren Content in bereits bestehende Apps einzubinden. Als zusätzliches Layer speziell für die Destination oder einfach durch die Integration der Inhalte. Mit vergleichsweise geringem finanziellen Einsatz kann so sichergestellt werden, dass der eigene (gesteuerte!) Content dem Touristen dort zur Verfügung stehen, wo er sie erwartet und er sich gegenüber der anderen Angebote behaupten kann. Das ist messbar und den Partnern gegenüber ein faires Geschäft.

Mehr zum Thema gibt es u.a. hier

Author: Daniela Kämmerer

Marketing-Konzeption, Strategie, Beratung, Kooperationen

3 Comments

  1. Hallo Daniela,
    Danke für die interessanten Informationen. Auch wir denken über Apps nach und diskutieren den Sinn und Unsinn solcher Trends.
    Steffie

  2. Super! Als i-Tüpfelchen ist mir dazu grad noch eine Grafik über den Weg gelaufen: Dies Auswertung der Frage „Nutzen Sie bereits heute oder planen Sie in nächster Zukunft (2010/2011) Apps als Instrument des Mobile Marketings einzusetzen?“ (Deutschland; 252 befragte Budget-Entscheider; Februar bis März 2010)

    Schon enorm, oder?

  3. […] Applikation: Dass nicht jeder eine iPhone App braucht, haben wir auf diesen Seiten ja auch schonmal festgestellt. Aber verschließen sollte man sich vor dieser Entwicklung in Richtung der kleinen, mobilen […]

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