Twitter Facebook YouTube RSS
  • Blog
  • Okt 12, 2010
  • 2 Comments
  • Schlagwörter: , , , , , , ,
  • Print This Post

Ein Video sagt mehr als tausend Bilder

Worum geht es in der Touristik-Werbung? Es geht darum, Sehnsüchte zu wecken und dieses Ansinnen möglichst besser umzusetzen als die Konkurrenz. Und was wäre dazu besser geeignet als ein Video? Aber ist das nicht zu teuer? Und was müssen bewegte Bilder haben, um potentielle Gäste tatsächlich zu bewegen? Fragen wir doch den Experten: Felix Kautsky, Mit-Inhaber von Folix-Films und in dieser Ausgabe des WuH-Newsletters unser Gastautor.

Die Wellen plätschern, die Palmen wiegen sich im leichten Lüftchen, die Pelikane gleiten über den Himmel, leise säuselt die Musik aus Richtung Strandbar, und die nette Bedienung kredenzt gerade mit einem Lächeln den leckeren Cocktail auf der Hotelveranda. Ach, schaut mal da, dieser tolle Katamaran, der das Meer am Horizont durchpflügt. Den müsste man unbedingt auch mal mieten.  Ist das nicht alles herrlich?

Wer so empfindet, sitzt entweder auf besagter Veranda oder schaut sich gerade ein tolles Urlaubsfoto an. Ein Foto? – Nein, wohl eher nicht.  Eine Wirkung dieser Art kann eigentlich nur mit bewegten Bildern erreicht werden, welche die Emotionen kitzeln und Sehnsüchte wecken. Zum Beispiel durch ein gelungenes Werbevideo auf der Internetseite des zuständigen Reiseveranstalters oder Ferienanlagenbesitzers (dessen Schwager zudem ganz ”zufälligerweise“ Katamarane vor Ort vermietet).  Dieses ist in der Touristik nur ein denkbares Szenario von tausenden.

Aber worum geht es eigentlich zentral in jeder Touristik-Werbung? Es geht darum, Sehnsüchte wecken und dieses Ansinnen möglichst besser umzusetzen als die Konkurrenz.

HRS (Hotel Reservation Service, www.hrs.de) zum Beispiel hat schon begriffen, dass in der heutigen Zeit der Einsatz von Videos unumgänglich ist. Stellvertretend für viele Bereiche der Touristik-Branche lässt sich hier einiges zu dem Thema „Video und Touristik“ im Selbstversuch nachvollziehen – im Guten, wie im Schlechten.  Dort gibt es Hotels mit und ohne Video zu finden. Zumindest mir ging es so, dass ich, allein schon aus Neugierde, zuerst einmal Videos anschauen wollte.

Seit diesem Zeitpunkt habe ich bei Hotels ohne Video-Präsentation immer das Gefühl, nicht richtig informiert zu werden. Das Hotel-Video als solches scheint also nur durch seine pure Existenz schon einmal Wirkung zu zeigen. Hat ein Hotel, oder auch eine andere touristische Einrichtung, kein Video, steht es also erheblich schlechter da.

Das heißt aber nicht, wer ein HRS-Video oder vergleichbares hat, wäre damit ausreichend bedient – ganz im Gegenteil!  Schau’n wir mal, was es in solch einem Video zu sehen gibt. Als Erstes fällt auf, dass Hotels scheinbar nicht für Menschen gemacht sind. Kommen diese, in Form von Rezeptionspersonal, doch mal vor, sind sie bemüht, die Kamera krampfhaft zu ignorieren – und damit, da aus der Subjektiven gefilmt, auch den Gast.

Die Videos kommen radikal emotionslos daher und sind mehr oder weniger immer gleich aufgebaut. Leere Plätze und Straßen vor dem Hotel (wurden hier ganze Straßenzüge abgesperrt und dann noch Lobbies geräumt?), leblose Gänge und gespenstische Fahrstühle, deren Türen sich, wie von Geisterhand gesteuert, öffnen und schließen. Mit der, zum Bild eigentlich passenden Vertonung bestückt, könnten einige Szenen sogar einen Film wie „Shining“ noch bereichern. Nur die belanglose, wohl GEMA-freie Archiv-Fahrstuhlmusik bewahrt einen vor Alpträumen. Ansonsten sieht man: Schöne, ”Menschen-befreite“ Zimmer, Restaurants, Bars … und sogar mal einen Pool im Wellness-Bereich, den scheinbar auch niemand schätzt.

Warum bewegte Bilder nutzen, wenn sich, schlicht gesagt nichts bewegt? Hier wären geschmackvoll kombinierte Panorama-Fotos wahrscheinlich nicht nur günstiger, sondern auch sinnvoller und sogar aussagekräftiger gewesen. Das mag jetzt so klingen, als ob ausgerechnet ich, als Mitinhaber von FoliX Films, von der Video-Präsentation im Hotel- oder Touristik Geschäft abraten möchte. Weit gefehlt, allerdings darf ein Film nicht einfach nur aus „bewegten” Bildern bestehen, sondern diese Bilder müssen vorrangig auch den zukünftigen Gast „bewegen” – und zwar in die gewünschte Richtung. Dazu gehört dann auch eine entsprechend gute, gezielte und damit emotional leitende und passende Vertonung. Wenn das in der Summe gelingt, ist ein Video wohl das aussagekräftigste Werbemittel, was es im Bereich der Touristik gibt.

HRS möchte seinen Kunden aber nur einen neutralen Angebotsvergleich bieten und somit ergeben selbst deren ”Werke“ noch einen Sinn. Aber eben nur für HRS, denn der einzelne Touristikunternehmer oder -Dienstleister hat ein hundertprozentig konträres Interesse:

Sein Unternehmen in einem besseren Licht zu präsentieren als die Konkurrenz. Ob die Zimmer nun schöner sind oder nicht.

 

Was bedeutet das in der Praxis für den gesamten Bereich der Touristik zum Thema Video? In erster Linie die Einbeziehung von Menschen und der Mut zu mehr kreativem Denken. Gib dem Kunden die Chance, touristische Einrichtung schon im Vorwege wirklich erleben zu können. Für das reine Anschauen der Einrichtungen reichen tatsächlich auch (Panorama-) Fotos.

Nicht nur die Größe und Lage des Pools ist bei einer filmischen Präsentation wirklich entscheidend, sondern ganz besonders die Freude, die bei dessen Nutzung aufkommt. Das Gleiche gilt für so ziemlich jeden Bereich rund um das Thema Touristik – je mehr Testimonials eingesetzt und Emotionen geweckt werden, umso besser. Leider beschränken sich viele Unternehmen nur auf die pure Darstellung der jeweiligen Anlage, weil jeder menschliche Darsteller sein Einverständnis geben müsste und auch noch Geld kostet. Dieser Aufwand wird oft gescheut.

Ohne Zweifel bereitet es Probleme, eine gefüllte Lobby zu drehen und dann die Aufnahmen unter rechtlich einwandfreien Bedingungen nutzen zu dürfen. Der Verzicht auf menschliche Beteiligung ist also grundsätzlich nachvollziehbar, geht aber nichtsdestotrotz am Thema und der Zielsetzung eines Touristik-Videos komplett vorbei.

Die Ausstattung der jeweiligen Anlage, oder Teile davon in geschmackvoller Form zu zeigen, gehört sicherlich zur Pflicht – die emotionale Umsetzung aber ist die Kür und kann für die eigentliche Abgrenzung zu der Konkurrenz sorgen. Letztlich unterscheiden sich die Ausstattungen der Anlagen, je nach Klasse, oft nur marginal. Nach dem Genuss von vielen Videos sieht ein schönes Zimmer einfach nur noch wie alle schönen Zimmer aus und eine Insel mit Palmen wie eben Inseln mit Palmen.

Zudem hat wohl jeder schon einmal erlebt, dass ein vermeintlich schäbig wirkender Ort bei näherer Betrachtung durchaus mehr Freude bereiten und Atmosphäre haben kann, als sein perfekt gestyltes Pendant. Das muss nicht so sein, kann aber – und genau das gilt es dann geschickt zu präsentieren. Auch in der Food-Werbung wird aus gutem Grund nicht einfach nur die tolle Inhaltsangabe vorgetragen, sondern man versucht zu verdeutlichen, dass das Produkt tatsächlich gut schmeckt.

In diesem Sinne sagte mal ein Kunde zu uns: Viele Touristik-Filme sind einfach nicht so ”lecker”. Recht hat er.

Noch ein Wort zu den Kosten. Eine besonders edle und damit kostenintensive Darstellung von touristischen Angeboten kann sicherlich in vielen Fällen sinnvoll sein. Doch auch hier gilt: Muss aber nicht. Häufig ist durch Kreativität und alternative Vorgehensweisen weit mehr zu erreichen – und das günstiger als durch den massiven Einsatz von Mensch und Technik.

Hierzu ein simples Beispiel: Man nehme einen begabten Kameramann, der einfach nur durch die Anlage läuft und diese aus der Sicht des Gastes zeigt. Er geht auf Menschen zu und wird freundlich begrüßt, bekommt den oben erwähnten Cocktail auf der Veranda usw. … bis der Katamaran wieder im Hafen ankommt und ihn das leckere Abend-Buffet in der Ferienanlage erwartet. Das ergibt eine Art Dokumentation, die nicht vom Aufwand lebt, sondern den Betrachter eine schöne Zeit direkt miterleben lässt und damit Sehnsüchte weckt.

Es kann sich also auch bei kleinerem Budget lohnen, über die Möglichkeiten der Video-Präsentation nachzudenken und diese nicht schon im Vorwege zu verwerfen. Video nicht zu nutzen bedeutet, nicht nur für die Zukunft, sondern schon heute einen Wettbewerbsnachteil in Kauf zu nehmen. Und das könnte dann erheblich teurer werden.

Author: Daniela Kämmerer

Marketing-Konzeption, Strategie, Beratung, Kooperationen

2 Comments

  1. Sven K sagt:

    Klingt ja alles erstmal sehr fein und einfach.

    Jedoch ist die ‚kreative‘ Idee eines Kameramanns als Gast sicherlich innovativ (wenn es auch zumindest ein Gefühl für das Hotel gibt), noch ist es damit getan.

    So bezweifle ich zum Beispiel, dass ein Hotel für diese Aufnahmen überhaupt nicht ausgeleuchtet werden muss. Ergo kommen da wieder Kosten hinzu. Plus Steadicam. Zudem ist die Nutzung von Musik ein weiterer Faktor, wo man leichter daneben als richtig liegen kann (zumindest, wenn man nicht das Budget für GEMA Musik hat, die einem diese Arbeit sehr leicht von der Hand nimmt). Und das ist nur diese einfache Idee, die skizziert wurde. Stellen wir uns mal ein etwas umfassenderes Konzept vor.

    Generell ist es beim Medium Video einfach sehr sehr leicht, Dinge falsch zu machen und mit einem amateurhaften Endprodukt dazustehen. Und das schreckt eher ab, als dass es hilft.

    Dadurch ist die Entscheidung vieler Hotels, sich auf Fotos zu reduzieren, durchaus nachvollziehbar.

  2. Zunächst einmal – schön, dass jemand auf meine Ergüsse reagiert.
    Ich sage zu fast allen Anmerkungen einfach mal pauschal ja, so ist das.
    Das betrifft allerdings nicht nur das Medium Film/Video, sondern unter vielem anderen auch z.B. die Grafik. Was man da alles falsch machen kann, da würde man teilweise gar nicht drauf kommen.
    Und, hält das jemanden davon ab Flyer, Prospekte, etc. zu drucken?
    Nein, und das aus gutem Grund, weil nun mal adäquate Werbemittel benötigt werden, wenn man im Geschäft bleiben möchte.
    Bei jeder Werbeaktion bedarf es jedoch auch umsetzender Menschen, die wissen was sie tun.
    Lässt man ein Video vom, ach so talentiertem Sohn anfertigen, weil dieser zu Weihnachten einen HD-Camcorder bekommen hat (wie es in der Grafik stündlich vorkommt – ich habe da doch dieses freeware Grafik-Programm auf dem neuen Aldi-Rechner…) endet es oft wirklich bitter.
    Video ist spätestens seit ca. 1-3 Jahren DAS moderne und heute adäquate Mittel um emotional geprägte Inhalte am effektivsten zu transportieren.
    Die Grundbedingung aber ist, wie erwähnt, dass man dann auch Profis ran lässt und sicherlich auch ein zumindest halbwegs passendes Budget hat.
    Leider ist bei fast allen Menschen im Kopf fest verankert, dass Film/Video absolut unbezahlbar ist.
    Ich habe in diversen Gesprächen feststellen dürfen, dass Videos nicht angegangen wurden, weil der Auftraggeber von den fünf bis zehnfachen Kosten ausgegangen ist, die das Video hätte kosten müssen.
    Klar kostet ein Video meist mehr als ein Flyer – aber, wie in meinem Beitrag erwähnt, könnte die Entscheidung es nicht zu machen weit teurer werden.
    Denn, Video ist und bleibt der neue Standart – besonders im Internet.
    Was das Licht und die Musik angeht:
    Nun, zum einen kann die Präsentation von touristischen Angeboten viel öfter als gedacht mit wenig Licht-Aufwand umgesetzt werden und zum anderen braucht man auch für schlechte Videos Licht.
    Ähnliches gilt für die Musik. In erster Linie bestimmt die gefühlvolle und gelungene Auswahl die Qualität und nicht unbedingt die Kosten und der allgemeine Aufwand.
    Aber, geschenkt gibt es Qualität nun mal in keinem Bereich des Lebens. Wenn es schon am Budget für GEMA-Abgaben scheitert, sollte man es vielleicht wirklich lassen. Noch mal aber, …s.o.

    Es ist durchaus nachvollziehbar wenn sich viele touristischen Einrichtungen (wie natürlich auch Hotels) auf Fotos reduzieren. Nur ist dieses sehr oft, und in Zukunft immer öfter, ein elementarer Fehler.

    Ach ja, auch ein umfassendes Konzept muss nicht zwingend unbezahlbar sein – zumal es vielleicht auch durch eine gute Idee am Ende weniger umfassend werden könnte.
    Hätte man mal darüber geredet und wäre offen für Input gewesen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.