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  • Jul 12, 2011
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Google+, der letzte Versuch

Dan Kuta photocase.comVor einem halben Jahr versuchte ich mich in den Megatrends 2011 als Orakel und prophezeite ein weiteres soziales Netzwerk, dass sich neben Facebook etablieren könne. Anscheinend ist es nun soweit. Google unternimmt nach dem Buzz-Desaster mit Google+ gerade einen weiteren Versuch, in diesem Bereich Fuß zu fassen. Dass sie dabei gute Karten haben, scheint der allgemeine Grundtenor der Blogosphäre zu sein.

Momentan läuft Google+ im Testbetrieb, und viele Funktionen sind noch in der Planung, wie zum Beispiel die Möglichkeit, Firmenseiten anzulegen. Warum nun soll ein Facebook-User seine Kontakte einpacken und zu Google+ umziehen? Ein Grund wäre schon mal, dass das nicht so einfach geht. Denn Facebook hat etwas dagegen und bietet nicht die Möglichkeit an, die eigenen Daten zu exportieren. Über kleine Kniffe und eine Browsererweiterung war es bis vor Kurzem dennoch möglich. Doch mittlerweile hat Facebook Maßnahmen eingeleitet, um das Exportieren der Daten weiter zu erschweren. Google hingegen hat seine Hausaufgaben gemacht und macht es möglich, alle Kontaktdaten, Profildaten und Nachrichten zu exportieren und akzeptiert damit die Urheberschaft der Daten seiner Nutzer. Nun ist Google sicher nicht die vertrauenswürdigste Firma, aber man hat das Gefühl, dass Google seine Nutzer mittlerweile ernster nimmt als Facebook.

Mit dem sozialen Netzwerk Buzz hat Google Anfang 2010 einen holprigen Start hingelegt, von dem sich das Netzwerk nie richtig erholt hat. Google+ ist wahrscheinlich die letzte Chance für das Unternehmen, ein weiteres soziales Netzwerk zu etablieren. Das merkt man, wenn man sich den Dienst genauer anschaut. Es ist eine Mischung aus Novitäten und Vertrautem. Beispielsweise ist die Art und Weise, wie die Meldungen der Freunde präsentiert werden ähnlich wie bei Facebook. Google nennt das Stream. Zusätzlich gibt es Circles, ein Tool, mit dem sich der Freundeskreis besser verwalten lässt. Damit kann man Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen zu verschiedenen Gruppen zusammenfassen und die dann auch entsprechend mit eigenen Meldungen ansprechen oder auch ausschließen. Der schon aus den Suchergebnislisten bekannte +1-Button entspricht dem Like bei Facebook. Sparks sind Interessen und Hangout ist ein Videochat, der auch für Gruppen möglich ist. Und da erschließt sich auch, warum Facebook nun so schnell den Videochat in Zusammenarbeit mit Skype aus dem Hut gezaubert hat. Trotz der teilweise eigenartigen Benennung der Funktionen, die Google gewählt hat, und der Fülle an Einstellungsmöglichkeiten, die es gibt, hat man nicht das Gefühl, den Überblick zu verlieren. Gerade das ist ja Facebooks Pferdefuß. Wer schon mal versucht hat, eine bestimmte Option in den ungeahnten Weiten und sich regelmäßig ändernden Einstellungsmöglichkeiten Facebooks zu finden, weiß, was gemeint ist.

Die Entscheidung, ob man nun zu Google+ wechselt oder bei Facebook bleibt, wird wohl nicht über das Knie gebrochen. Der wichtigste Grund in ein soziales Netzwerk einzutreten ist, dass dort auch meine Freunde zu finden ist. Wenn meine Freunde nicht bei Google+ sind, bin ich es auch nicht. Also gilt es für Google jetzt, innerhalb kürzester Zeit soviel Getöse zu machen, bis wirklich alle von diesem Angebot gehört und sich angemeldet haben. Dann wird sich zeigen, wie viele Leute wirklich bereit sind zu wechseln und wie hoch der Wert der Firma Facebook dann noch ist. Wie schnell es zu Ende gehen kann, ist momentan sehr gut an myspace zu beobachten.

Für Firmen wird Google+ erst interessant, wenn man richtige Firmenseiten anlegen kann. Aber wirklich spannend wird es, wenn man Adwords in Google+ schalten kann. Denn das ist der USP von Google. Sie besitzen das erfolgreichste Werbesystem im Web, das zusammen mit einem funktionierenden sozialen Netzwerk noch deutlich wertvoller und einträglicher werden könnte.
Google+ ist damit nicht nur die letzte Chance, sondern auch die größte.

Author: Christian Lau

Online-Strategie, Webauftritte, Suchmaschinenmarketing

5 Comments

  1. Thomas Kahl sagt:

    … und wo ist hier der +1 Button?!?

  2. […] zum Beitrag: Google+, der letzte Versuch  […]

  3. Spannend, und wann glaubt Ihr wird das soweit sein? Denn auch wenn es für Firmen und Werbetreiebende viele Vorteile bringt, wird das die Community locken sich bei facebook zu verabschieden?
    Wir werden sehen und Ihr werdet uns sicherlich auf dem laufenden halten…….

  4. Die häufigste Antwort auf die Frage wann es fertig sein wird, ist meist, „When it’s done!“. Ich glaube nicht, dass Google jetzt auf biegen und brechen einen Termin halten will. Zu oft sind in letzter Zeit halb gare Google-Projekte an den Start gegangen. Ich erinnere da an Buzz oder Wave.
    Ob die Leute nun scharenweise zu Google+ wechseln werden glaube ich nicht. Ich denke es wird wachsen und zwar in der Geschwindigkeit, wie den Leuten Facebook überdrüssig wird. Facebook hat zu viel Grenzen, zu viele Restriktionen und durch die enorm vielen Spiele (Farmville, Mafiawars etc.) und die entsprechenden nervigen Meldungen, ist das Netzwerk, doch sehr stark in die VZ-Ecke abgerutscht. Google+ wirkt seriöser und offener. Ich hoffe, dass das so bleibt. Zur Präsentation der eigenen Person für potentielle Kunden oder Arbeitgeber, zum Teilen von Fotos mit Freunden und Familie und zum Schreiben von Kommentaren zum Tagesgeschehen würde ich heute eindeutig zu Google+ greifen anstatt zu Facebook. Denn Google+ bietet mir die Möglichkeit meine Daten gezielt freizugeben, zu exportieren, zu löschen, ich kann Beiträge beliebiger Länge schreiben und ich werde von semi-lustigen Games verschont.

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